Die Natur hat gerade viel zu sagen
Hast du in letzter Zeit mal wirklich hingeschaut, was gerade am Wegesrand wächst?
Nicht beim Vorbeigehen, nicht nebenbei – sondern wirklich hingeschaut. Diese zackigen Blätter am Zaun. Die weißen Dolden am Waldrand. Das schmale Blatt zwischen den Pflastersteinen, das du tausendmal übersehen hast.
Die Natur ist gerade in voller Kraft. Und sie bietet etwas an – wenn man weiß, wo man schauen muss.
Ich glaube, dass wir als Mütter gerade in dieser intensiven Phase der ersten Jahre viel gewinnen können, wenn wir uns wieder ein bisschen mehr mit dem verbinden, was draußen passiert. Nicht als Programm, nicht als weiterer Punkt auf der To-do-Liste. Sondern als kleine Einladung: Schau hin. Entdecke was wächst. Nimm etwas mit nach Hause.
Heute möchte ich dir vier Heilkräuter vorstellen, die ich selbst liebe – und die jetzt gerade wachsen. Vier Pflanzen mit Geschichte, mit Wirkung und mit einer Qualität, die ich einfach schön finde: Sie waren immer schon da. Lange bevor es Nahrungsergänzungsmittel gab. Und sie sind besonders für Mütter in Wochenbett und Stillzeit einen näheren Blick wert.

Höre dir gerne auch die Podcastfolge zu diesem Artikel an:
Brennnessel – die Unbeugsame


Die Brennnessel wächst überall. Am Zaun, am Kompost, am Wegrand. Sie ist hartnäckig, sie sticht – und sie ist eines der nährstoffreichsten Wildkräuter, die wir haben.
Ich mag sie, weil sie so gar nicht um Aufmerksamkeit buhlt. Sie wächst einfach. Immer. Unaufgefordert. Fast trotzig.
Für Mütter nach der Geburt ist sie ein echter Schatz. Sie ist reich an Eisen, Kalzium und Magnesium – Nährstoffe, die der Körper im Wochenbett und in der Stillzeit wirklich braucht. Brennnessel gilt seit Jahrhunderten als eines der wichtigsten Heilkräuter für Frauen nach der Geburt: aufbauend, nährend, stärkend.
Wie du sie nutzen kannst: Junge Triebe mit Handschuhen pflücken, kurz blanchieren – dann ist der Stich weg. In Smoothies, als Spinatersatz, in Suppen. Oder als Tee: getrocknete Blätter, heißes Wasser, zehn Minuten ziehen lassen. Ein Glas Brennnesseltee am Nachmittag ist für mich manchmal ein kleines Ritual – bewusst, still, ohne Handy.
Spitzwegerich – der stille Begleiter

Spitzwegerich wächst buchstäblich überall-– zwischen Pflastersteinen, auf Wiesen, am Wegesrand. Die langen, schmalen Blätter mit den parallelen Nerven: einmal gesehen, nie wieder verwechselt.
Er ist eines dieser Heilkräuter, die viele nicht den Heilkräutern zugehörig sehen und jeder schon hundertmal gesehen hat. Das finde ich irgendwie bezeichnend. So viel Hilfreiches liegt direkt vor uns – und wir gehen einfach dran vorbei.
Spitzwegerich beruhigt Schleimhäute, wirkt sanft entzündungshemmend. Wenn der Hals kratzt, wenn das Immunsystem gerade nicht auf der Höhe ist – er hilft. Leise und zuverlässig. Gerade in der Zeit nach der Geburt, wenn der eigene Körper oft hintenansteht, ist er ein einfacher, zugänglicher Begleiter.
Wie du ihn nutzen kannst: Frische Blätter einfach kauen bei Halskratzen. Als Tee. Oder als Tinktur auf Vorrat – das lohnt sich. Und beim nächsten Spaziergang: zeig ihn deinem Kind. Lass es die Blätter anfassen. Das ist Naturverbindung im Kleinen.
Holunderblüte – Frühsommer und Kindheitsgefühl

Wenn der Holunder blüht, weiß ich: Jetzt ist der Frühsommer wirklich da.
Dieser Duft. Süß, warm, ein bisschen wild. Für mich riecht er nach Kindheit, nach langen Abenden, nach Langsamkeit. Und vielleicht brauchen wir das – diesen Duft, der uns kurz erinnert: Das Leben hat auch eine langsame Seite.
Die Blüten beruhigen, wärmen von innen, unterstützen sanft das Immunsystem. Holunderblütentee am Abend hat für mich etwas sehr Ruhiges – er nimmt dem Nervensystem die Anspannung ohne zu betäuben. In einer Zeit, in der man als Mutter permanent auf Empfang ist, finde ich das wunderbar.
Wie du sie nutzen kannst: Als Tee aus getrockneten Blüten, abends. Oder – mein absoluter Favorit – als selbstgemachten Holunderblütensirup. Frische Dolden, Wasser, Zitrone, etwas Zucker oder Honig. Ein Nachmittag, ein großer Topf, ein Kind das helfen möchte. Das ist Jahresrhythmus zum Anfassen.
Schafgarbe – für die Mitte

Die Schafgarbe steht gerade auf fast jeder Wiese – mit ihren weißen Dolden und dem würzigen Duft. Sie ist unscheinbar, fast zierlich. Und dabei so wirksam.
Sie ist eines der ältesten Heilkräuter überhaupt. Hildegard von Bingen hat sie beschrieben. Sie wurde gesammelt, getrocknet, weitergegeben – von Generation zu Generation, von Frau zu Frau.
Schafgarbe im Wochenbett und in der Zeit danach: Sie unterstützt den Bauch, beruhigt Krämpfe, regt sanft die Verdauung an. Und sie wirkt leicht bitter – das unterstützt die Leber.
Auch eine schöne Anwendung ist für mich das Sitzbad. Schafgarbe ins warme Wasser, einfach sitzen und ankommen. Das ist eine der ältesten Formen von Selbstfürsorge, die es gibt.
Wie du sie nutzen kannst: Als Tee, als Sitzbad, als Tinktur.
Eine Einladung zum Schluss
Du musst kein Kräuterwissen haben, um anzufangen. Du musst keine Ausbildung machen, kein dickes Buch lesen.
Fang einfach an zu schauen. Beim nächsten Spaziergang. Mit deinem Kind an der Hand oder auf dem Arm. Was wächst da eigentlich? Was riecht so? Wie fühlt sich das Blatt an?
Das ist der Anfang. Und er reicht vollkommen.
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