Jahreskreisfeste – es geht nicht um Magie. Es geht um Rhythmus.
Wenn ich von Jahreskreisfesten erzähle, erlebe ich oft dasselbe: ein kurzes Zögern. Ein „klingt das nicht ein bisschen…?“ Das kenne ich. Ich war selbst lange skeptisch – oder zumindest unsicher wie ich das einordnen soll.
Heute sehe ich es anders. Und ich möchte dir erklären warum.
Jahreskreisfeste sind keine Erfindung einer spirituellen Bewegung. Sie sind uralt – und sie sind im Grunde nichts anderes als das was Menschen schon immer getan haben: den Rhythmus der Natur beobachten, benennen und feiern. Aussaat und Ernte. Licht und Dunkel. Werden und Vergehen.
Das ist keine Esoterik. Das ist Biologie. Das ist Jahrtausende altes Erfahrungswissen. Und es ist – gerade für Mütter in den ersten Jahren – erstaunlich relevant.

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Was Jahreskreisfeste sind
Der Jahreskreis besteht aus acht Feste, die das Jahr in gleichmäßige Abschnitte teilen. Vier davon sind astronomische Feste – sie markieren die Sonnenwenden und Tag-und-Nacht-Gleichen:
Yule zur Wintersonnenwende im Dezember. Ostara zur Frühlings-Tag-und-Nacht-Gleiche im März. Litha zur Sommersonnenwende im Juni. Mabon zur Herbst-Tag-und-Nacht-Gleiche im September.
Die anderen vier liegen jeweils dazwischen und markieren den Übergang zwischen den Jahreszeiten:
Imbolc Anfang Februar – der erste Atemzug des Frühlings. Beltane am 1. Mai – der Beginn des Sommers. Lughnasadh am 1. August – das erste Erntefest. Samhain am 31. Oktober – der Beginn der dunklen Jahreshälfte.
Zusammen ergeben sie einen vollständigen Kreislauf. Ein Jahr das nicht einfach vergeht – sondern das sich entfaltet. Mit Höhepunkten, Wendepunkten, Ruhephasen und Aufbrüchen.
Warum ich als Kräuterpädagogin und Mama davon überzeugt bin
Ich bin mit dem Wissen meiner Großmutter aufgewachsen. Sie hat mir von Kräutern erzählt, von Ernte und Einmachen, von wichtigen Tagen im Jahr die den Rhythmus strukturiert haben. Damals habe ich das einfach aufgesogen ohne es zu benennen.
Später – durch meine Ausbildung zur Kräuterpädagogin, durch Yoga, durch das Hinterfragen des „immer schneller, immer mehr“-Lebens – habe ich verstanden was das war: ein gelebter Jahresrhythmus.
Und dann bin ich Mutter geworden.
Und plötzlich hat dieser Rhythmus eine ganz neue Bedeutung bekommen. Nicht als spirituelle Praxis – sondern als Ankerpunkt. Als Orientierung in einer Zeit in der die Tage verschwimmen, die Wochen sich gleichen und man morgens nicht mehr weiß welcher Monat gerade ist.
Die Jahreskreisfeste haben mir gegeben was mir gefehlt hat: das Gefühl dass das Jahr eine Struktur hat. Dass es Momente gibt die es wert sind innezuhalten. Dass nicht jeder Tag gleich ist – auch wenn er sich so anfühlt.
Was das mit Babyschlaf und Mutterschaft zu tun hat
Ich begleite Mütter mit Babyschlaf, Mütterpflege und Yoga. Und ich erlebe immer wieder dasselbe: Frauen die aus dem Rhythmus geraten sind. Die funktionieren aber nicht mehr wirklich bei sich sind. Die erschöpft sind – nicht nur körperlich, sondern auch innerlich orientierungslos.
Rhythmus ist das Fundament von gutem Schlaf – das sage ich meinen Klientinnen im Kontext Babyschlaf. Der Körper braucht klare Signale, konsistente Abläufe, verlässliche Ankerpunkte.
Das gilt nicht nur für Babys. Das gilt für uns alle.
Der Jahreskreis ist im Grunde ein großer Rhythmusgeber. Er sagt: Jetzt ist Zeit für Aufbruch. Jetzt für Fülle. Jetzt für Innehalten. Jetzt für Rückzug. Wenn wir lernen diesen Rhythmus wahrzunehmen – auch nur in kleinen Gesten – gibt das Orientierung. Und Orientierung gibt Kraft.
Die Zeitqualitäten der Jahreszeiten
Die unterschiedlichen Energien der Jahreszeiten lassen sich für persönliche Themen und Entwicklungsprozesse nutzen. Eingebettet in den Fluss der Zeitqualitäten ist es möglich, sich wieder etwas mehr mit der Natur zu verbinden und unseren oft stressigen und von den natürlichen Rhythmen entkoppelten Lebensstil wieder ein Stück näher an den Ursprung zu bringen. Diese Verbindung und mentale Stärke sind gerade in der Mutterschaft so eine tolle Quelle, um sich wieder verbunden zu fühlen und mit kleinen Mitteln wieder mehr zu sich und zu einem Rhythmus, der trägt, zu finden.
Wie ich die Jahreskreisfeste lebe – ganz konkret
Ich mache keine aufwendigen Zeremonien. Ich stelle keinen Altar auf. Ich brauche keine stundenlangen Rituale.
Aber ich zünde an besonderen Tagen eine Kerze an. Ich gehe raus und schaue, was gerade wächst oder blüht oder sich verfärbt. Ich koche etwas mit dem was die Saison gerade bietet. Ich nehme mir fünf Minuten um eine Frage zu stellen: Wo stehe ich gerade? Was ist gerade voll? Was darf ich loslassen?
Das ist alles. Und es verändert etwas.
Nicht weil es magisch wäre. Sondern weil Bewusstheit verändert. Weil ein Moment der Stille inmitten des Mama-Alltags etwas verschiebt. Weil es gut tut zu wissen: Dieser Moment hat einen Namen. Er gehört in einen größeren Rhythmus. Und dieser Rhythmus trägt.
Die acht Jahreskreisfeste im Überblick
- Samhain: Keltisches Neujahrsfest und drittes Erntedankfest
Der Beginn der stillen Zeit. Erinnerung, Ahnen, Übergang. Kernfrage: Was endet gerade – und was bleibt? - Jul/Yule: Wintersonnenwende (kürzester Tag und längste Nacht des Jahres)
Die längste Nacht. Stille, Rückzug, das Licht das wiederkommt. Kernfrage: Was trägt mich durch die Dunkelheit? - Imbolc: Anfang Februar – Die Rückkehr des Lichts wird gefeiert
Der erste zarte Atemzug des Frühlings. Erste Schneeglöckchen, die Rückkehr der Hoffnung nach der langen Winternacht. Kernfrage: Was will in mir neu erwachen? - Ostara: Frühlings-Tag- und Nachtgleiche
Tag und Nacht im Gleichgewicht. Aufbruch, Neubeginn, Säen. Kernfrage: Was möchte ich in dieser neuen Jahreshälfte wachsen lassen? - Beltane: 30.04./01.05. – der Sommeranfang wird gefeiert
Das Fest des Feuers und der Lebensfreude. Der Beginn des Sommers. Kernfrage: Wo darf mein inneres Feuer wieder brennen? - Litha: Sommersonnenwende (längster Tag des Jahres)
Der längste Tag, das stärkste Licht. Fülle und Innehalten auf dem Höhepunkt. Kernfrage: Was leuchtet gerade in mir? - Lughnasadh: 01. August – Schnittfest und erstes Erntedankfest
Reife, Dankbarkeit, erstes Loslassen. Kernfrage: Was ist in mir gereift – auch wenn ich es kaum gesehen habe? - Mabon: Herbst-Tag- und Nachtgleiche und zweites Erntedankfest
Ernte und Gleichgewicht. Die dunkle Jahreshälfte beginnt. Kernfrage: Was darf ich mit Dankbarkeit loslassen?

Eine Einladung
Du musst nicht alle acht Feste feiern. Du musst keine Tradition annehmen die sich nicht nach dir anfühlt.
Aber vielleicht ist eines dabei das dich anspricht. Ein Datum das sich gerade richtig anfühlt. Eine Frage die bleibt.
Fang dort an. Das reicht.
Ich werde hier auf dem Blog zu jedem Jahreskreisfest schreiben – mit Hintergrundwissen, kleinen Ritualen, Duftimpulsen und einem Blick darauf was das jeweilige Fest für Mütter in den ersten Jahren bedeuten kann. Bodenständig, ehrlich, ohne Esoterik.
Ich freu mich dass du dabei bist.
Falls du dich auch direkt ein bisschen tiefer einlesen möchtest in den Jahreskreis oder auch den Rhythmus des Jahres, kann ich dir diese drei Bücher ans Herz legen. Jeweils mit etwas anderem Fokus, aber alle sehr schön:
- Rebecca Lina „Grounded“
- Nina Keßler „Die Jahreskreisfeste mit deinem Kind erleben“
- Caroline Deiß „Die Magie der 8 Jahreskreisfeste“





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