Heute geht es um ein Thema, das viele Eltern schwierig finden und das gerne verdrängt wird. Den Tod naher Angehöriger und die Frage, wie kann man Kindern den Tod erklären.
Leider schreibe ich über dieses Thema, da vor wenigen Wochen meine eigene Oma starb. Sowohl in meinem, als auch im Leben meiner Kinder war sie eine wichtige und geliebte Begleiterin und wird sehr vermisst und ich stand daher genau vor der Frage, die so viele Eltern überfordert:
Wie kann ich meinem Kind den Tod erklären, ohne ihm Angst zu machen – und ohne zu lügen?
Natürlich ist man selbst traurig, gleichzeitig ist es wichtig, die Kinder aufzufangen. Mir ist hier ein offener Umgang ganz wichtig und ich wollte klare Worte, aber keine Überforderung. Und ich wollte nicht, dass der Tod ein Thema wird, über das man schweigt oder herumdruckst.
Der Moment, in dem wir Kindern den Tod erklären müssen, trifft viele völlig unvorbereitet.
Hier bekommst du daher eine klare, ehrliche Orientierung – alltagsnah, altersgerecht und emotional tragfähig.
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Grundprinzipien – wenn du Kindern den Tod erklärst
Egal wie alt dein Kind ist, diese Punkte tragen dich durch jede Trauersituation:
- Sag die Wahrheit
Worte wie „gestorben“ oder „tot“ sind wichtig. Vermeide „eingeschlafen“ oder „weggegangen“.
Insbesondere zu sagen, die Person ist „eingeschlafen“ finde ich persönlich sehr schwierig und würde das so nie verwenden. Dies kann gerade bei kleineren Kindern zu großen Ängsten führen, da sie nicht wissen, ob das dann ihnen oder anderen geliebten Personen auch einfach passieren könnte – einschlafen und nicht mehr aufwachen. Dies kann zu Ängsten und Schlafproblemen führen und sollte wirklich unbedingt vermieden werden.
Ich empfehle dir unten auch Bücher zum Thema Tod und Trauer und in manchen davon wird von „einschlafen“ gesprochen. Trotzdem finde ich die Bücher sehr gut und wir nutzen sie – allerdings IMMER indem wir „eingeschlafen“ durch „gestorben“ ersetzen. - Kommuniziere viel, aber bleib einfach
Es ist absolut essentiell, dein Kind einzubinden. Egal in welchem Alter – sprich mit ihm, binde es ein und das immer wieder. Das Thema beschäftigt nicht nur dich, sondern auch dein Kind und es ist wichtig, immer wieder darüber zu sprechen. Aktiv von dir aus, aber natürlich insbesondere auch, wenn dein Kind auf dich zukommt. Aber überfordere nicht – Kinder brauchen klare, kurze und altersgerechte Sätze. - Zeig Gefühle
Kinder lernen durch dich den Umgang mit Emotionen und auch, dass Trauer normal ist. Da ich in einem emotions- und traumasensiblen Ansatz ausgebildet bin, ist mir dies besonders wichtig. Wir sollten Emotionen nicht in „gut“ und „schlecht“ labeln und die schlechten wegdrücken. Es gehören alle Emotionen zum Leben dazu und wir profitieren sehr davon, sie auch zu fühlen. Und das schon unseren Kindern mitzugeben ist extrem wertvoll. - Halte Routinen
Gerade wenn alles sich zu ändern scheint, gibt Struktur Sicherheit. Sei noch mehr als sonst der sichere Hafen deines Kindes und versuche eure Routinen und Abläufe beizubehalten, um Sicherheit zu geben. - Binde dein Kind ein
Wenn wir Kinder von Themen wie Tod fernhalten wollen, dann nehmen wir ihnen die Chance, sich damit auseinandersetzen zu dürfen. Für dein Kind kann eine Lücke entstehen zwischen „gerade war die Person noch da und nun stehen wir an einem Grab“. Denn was ist dazwischen passiert? Ich persönlich kann nur raten, Kinder einzubinden – sei es bei der Beerdigung oder auch beim Abschiednehmen an sich. Allerdings immer wichtig – immer freiwillig. Denn auch das andere Extrem ist nicht gut, wenn du sie zu etwas überreden möchtest, das sie nicht wollen. Kinder ehrlich einzubeziehen, ihnen Angebote zur Beteiligung und zum Abschiednehmen zu machen und dann auch zu respektieren, wie es für sie passt, ist für mich hier der beste Weg, den ich auch anderen Eltern empfehlen würde.
Auch das Einbinden in Rituale, wie das Basteln von Abschiedsgeschenken oder das Aussuchen von Blumen kann für Kinder sehr schön und heilsam sein. - Beobachte das Verhalten
Kinder zeigen Trauer oft im Spiel, im Schlaf oder in Rückzug. Sein feinfühlig und beobachte dein Kind genau. Wenn du merkst, dass es Hilfe bei der Verarbeitung braucht, dann sei da, höre zu und hilf durch die Emotionen zu navigieren.
Diese Grundlagen sind aus meiner Sicht essentiell, wenn du deinem Kind den Tod erklärst – egal ob Oma, Opa oder jemand anderes gestorben ist.
Kinder den Tod erklären – altersgerechte Anregungen
👶 0–2 Jahre
Babys und Kleinkinder verstehen den Tod nicht, aber sie spüren jede emotionale Veränderung.
Darum würde ich kurze, klare Sätze wählen.
Außerdem ist es wichtig, emotional für dein Kind da zu sein. Nähe, Körperkontakt und stabile Rituale sind jetzt das Entscheidende. Und auch Wiederholung – sprich immer wieder mit deinem Kind und nicht nur einmal.
🧸 2–4 Jahre
Das magische Denken ist hier stark. Kinder glauben oft, der Tod sei rückgängig zu machen oder sie hätten etwas falsch gemacht.
Wenn du einem Kind den Tod erklärst, sage ihm, dass es keine Schuld hat und erkläre, dass das normal ist.
Rituale können helfen: ein Bild malen, eine Kerze anzünden, einen Stein für Oma.
meine Buchtipps 2-4 Jahre
👉 „Wo gehst du hin, Opa?: Ein Bilderbuch über das letzte Geheimnis“
👉 „Der Baum der Erinnerung„
🎨 4–6 Jahre
Kinder verstehen mehr, schwanken aber oft emotional stark. Sie spielen und trauern gleichzeitig und das ist völlig normal.
Beim Erklären des Todes:
- Sei ehrlich.
- Nutze Bilder und Rituale.
- Ermutige Fragen – auch wiederholte.
- Sprich immer wieder mit deinem Kind
Idee: Eine Erinnerungsbox: Foto, kleines Andenken, selbst gemaltes Bild. Oder das gestalten eines Erinnerungsbuches.
meine Buchtipps 4-6 Jahre
👉 „Wieso? Weshalb? Warum?, Band 42 – Abschied, Tod und Trauer“
👉 „Wo gehst du hin, Opa?: Ein Bilderbuch über das letzte Geheimnis“
👉 „Der Baum der Erinnerung„
📖 6–8 Jahre
Jetzt wird das Verständnis deutlich reifer. Kinder fragen nach Details, suchen Logik und Sicherheit.
Wenn du einem Schulkind den Tod erklärst, sei ehrlich und erkläre so, dass es keine Angst bekommt. Kinder in diesem Alter können schon viel verstehen, brauchen aber immer noch viel Kontext und Zuwendung von dir als Bezugsperson.
Ermutige Gespräche, Erinnerungen, Briefe oder Zeichnungen.
Auch hier können das gestalten einer Erinnerungsbox oder eines Erinnerungsbuches sehr hilfreich und schön sein.
meine Buchtipps 6-8 Jahre
👉 „Wieso? Weshalb? Warum?, Band 42 – Abschied, Tod und Trauer“
👉 „Der Baum der Erinnerung„
Wenn du selbst trauerst
Der schwierigste Teil: Sorge für dich selbst. Kinder brauchen Stabilität – aber keine Schauspielerei. Wenn du selbst trauerst, dann ist das wichtig und richtig und das darf auch gezeigt werden. Allerdings ist es wichtig, die Kinder nicht zu überfordern oder als deine emotionale Stütze zu nutzen. Du darfst und solltest deine Trauer zeigen. Aber sprich viel mit deinem Kind, erkläre ihm immer wieder alles, nimm Ängste, ermutige dazu eigene Emotionen zu fühlen und begleite diesen Prozess emphatisch und bleibe altersgerecht.
Wenn du etwas sagst, wie:
„Ich bin traurig, weil Oma gestorben ist. Aber wir schaffen das zusammen.“
gibst du Sicherheit, ohne deine Gefühle zu verstecken.
Und hole dir ggf. Unterstützung – das ist kein Zeichen von Schwäche, sondern von Stärke und (Selbst-)Fürsorge. Auch du solltest deine Gefühle fühlen dürfen und jemanden haben, der für dich da ist um dich emphatisch begleitet. Das können Familienangehörige oder Freunde sein oder du kannst dir professionelle Hilfe bei Therapeut/innen oder anderen Anlaufstellen holen.
Fazit – Kindern den Tod erklären bedeutet Klarheit & Nähe
Kinder brauchen keine perfekten Worte.
Sie brauchen ehrliche, klare Erklärungen und einen sicheren Menschen, der da bleibt, wenn die Fragen kommen.
Wenn du deinem Kind den Tod erklärst, schenkst du ihm Orientierung in einer Situation, die für alle weh tut – und gleichzeitig zeigst du, dass Liebe und Erinnerung bleiben und lehrst einen gesunden Umgang auch mit schwierigen Emotionen





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